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Aufgrund des milden Winters kämpfen einige Menschen bereits seit Wochen mit ihrer Allergie. Welche Pollen jetzt bereits unterwegs sind und was man darüber wissen sollte, haben wir Dr. André Koch, Oberarzt und Allergologe aus der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Städtischen Klinikum Dresden, gefragt.

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Wann müssen sich Betroffene auf die ersten Pollen in diesem Jahr einstellen?

Die Haselpollen sind aufgrund des milden Winters – abhängig von der Region – bereits seit Dezember/Januar in der Luft.

Warum reagieren einige Menschen allergisch und andere nicht?

Die Neigung, allergisch zu reagieren, ist mehr oder weniger genetisch bestimmt. In Mitteleuropa ist das bei etwa 30 Prozent der Bevölkerung der Fall. Allergien können sich im Laufe des Lebens entwickeln, aber auch zurückbilden. Treten Neurodermitis, Bronchialasthma oder Heuschnupfen gemeinsam auf, wird häufig von Atopikern gesprochen. Die Betroffenen reagieren auf Umwelteinflüsse besonders sensibel. Bei manchen Patienten gehen diese Erkrankungen ineinander über. Wir sprechen dann von einem Etagenwechsel, beispielsweise wechselt der Heuschnupfen zum Asthma oder das Asthma wird besser und eine Neurodermitis, eine Hauterkrankung, manifestiert sich. Dieser Wechsel funktioniert in alle Richtungen.

Wie können Sie bei Pollenallergien helfen?

Behindern diese Beschwerden den Betroffenen im Alltag nicht, dann muss man nicht zwingend etwas unternehmen.  Sinnvoll kann eine Therapie beispielsweise bei einem ausgeprägten Laufen der Nase oder Augentränen sein, um einen Etagenwechsel zum Asthma zu verhindern. Aber längst nicht jeder Patient mit einer Pollenallergie entwickelt ein Asthma. Bei dem einen bleibt es beim Heuschnupfen, bei den anderen kommt es zu einer spontanen Besserung.

Vor der Therapie bedarf es einer klaren Diagnose. Es erfolgen zum Beispiel Tests, um das oder die auslösende/n Allergen/e zu identifizieren. Alle Ergebnisse bilden die Basis für die Behandlungsstrategie. Die Möglichkeiten, die wir dafür haben, werden immer besser. Es lässt sich immer genauer sagen, ob eine Therapie den erwünschten Erfolg bringen wird oder nicht. In Einzelfällen bleibt es jedoch unklar. Das kann daran liegen, dass es Sensibilisierungen gegenüber sogenannten Panallergenen gibt. Häufig sagen die Patienten dann: „Ich reagiere auf alles.“ Das stimmt so nicht ganz, aber sie reagieren überempfindlich auf bestimmte Allergene die im Pflanzenreich weit verbreitet sind. Diese Betroffenen können wir in der Regel nur schlecht spezifisch mittels therapieren.  Oftmals bleibt nur die symptomatische Behandlung mit Antihistaminika. Erstes Ziel bleibt jedoch immer das Behandeln der Ursachen.

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Wann sollte man mit einer Therapie wie einer Antisensibilisierung beginnen?

Der Beginn einer Therapie ist nicht fest definiert, es ist auch nicht 100-prozentig sicher, ob eine frühe und lange Therapie die Gefahr des Sprungs zum Asthma reduziert. Wichtig ist es für jeden, der glaubt an einer Allergie zu leiden, ein Symptomtagebuch zu führen. Wann und bei welcher Witterung die Symptome auftreten, kann einen ersten Anhaltspunkt bei der Anamneseerhebung geben.  Zeigen sie sich besonders dann, wenn es feucht ist, dann kann das zum Beispiel eine Allergie gegen Schimmelpilze sein, bei Trockenheit und entsprechender Jahreszeit spricht es eher für eine Pollenallergie.

Was kann man als Betroffener selbst gegen seine Allergie tun?

Wenig, denn man will ja auch leben. Soweit möglich, kann man natürlich Pollen meiden. Menschen, die auf Birkenpollen allergisch sind, was das häufigste Allergen in unserer Region ist, müssten eigentlich nach Südafrika oder Grönland ziehen. Natürlich helfen auch Urlaube in ausgewählten Regionen und Kuraufenthalte. Pollenfilter im Haus wären die „hohe Schule“.  

Welche Einflüsse gibt es neben trockenem und feuchtem Wetter auf den Pollenflug?

Die Allergene sind bestimmte Eiweiße, die in den Pollen enthalten sind. Sie haben für die Pflanze auch eine Funktion, sie sind beispielsweise Stressproteine. Haben Pflanzen biologischen Stress, unter anderem durch die jahresuntypischen Witterungsverhältnisse, dann können sich solche Stresseiweiße vermehrt bilden. Die machen dann wiederum den allergischen Menschen stärkere Probleme.

Stadtbewohner sind Pollen doch sicher weniger ausgesetzt?

Nein, denn die Häuser bilden in den Großstädten Schluchten. Dadurch verzeichnen wir zum Teil eine höhere Pollenbelastung als auf dem flachen Land. Durch die Winde werden die Pollen in der Stadt mehr fokussiert und nicht verstreut. Als Allergologe ist mir zudem unbegreiflich, dass immer wieder Birken ins öffentliche Stadtbild gebracht werden. Beispielsweise an der Feuerwache am Hauptbahnhof ist alles mit Birken bepflanzt worden, obwohl bekannt ist, dass die meisten Allergiker in Mitteleuropa auf Birkenpollen reagieren.