Anästhesiologie und Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie (Friedrichstadt)

Die Entwicklung der KAINS

1990-2007

 

Die politische Wende in Deutschland 1989/1990 hatte Auswirkungen auf die Anästhesie in den fünf neuen Bundesländern. Chefarzt Dr. HACHE, seit 1987 Vorsitzender der Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivtherapie (GAIT), war 1990 maßgeblich an den Verhandlungen über einen Zusammenschluß der GAIT und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) beteiligt. Nach bundesdeutschem Vereinsrecht war die geplante Vereinigung jedoch nicht möglich, so daß eine Zusammenführung der Fachgesellschaften aus Ost und West nur in Form eines Beitritts der ostdeutschen Anästhesisten zur DGAI nach Auflösung der GAIT möglich war. Der Beschluß zur Auflösung der GAIT wurde auf der letzten Mitgliederversammlung Ende 1990 einstimmig angenommen.
Mit dem Wegfall der Wirtschaftsgrenzen war der Weg frei für die Erneuerung und Modernisierung der Medizintechnik in der Anästhesie. Im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt wurden für die KAINS neue Beatmungs- und Infusionsgeräte (Spritzenpumpen, Infusomaten), sowie moderne Reanimationstechnik (u.a. neue Defibrillatoren) angeschafft. Neue Geräte zur maschinellen Autotransfusion (MAT) ermöglichten die perioperativen Einsparung von Fremdblut.

(7) Narkosegerät der 70er Jahre

(7) Narkosegerät der 70er Jahre

(8) \

(8) "Medimorph" aus den 80er Jahren

modernes Narkosegerät

modernes Narkosegerät

Nachdem 1991 Chefarzt Dr. HACHE in den Ruhestand gegangen war, übernahm Dr. med. Heinz OTTO bis 1992 die Leitung der Klinik für Anästhesiologie. Dr. OTTO war bis zu diesem Zeitpunkt Leitender Oberarzt in der Anästhesie. Unter seiner Führung wurde die 1989 begonnene Rekonstruktion der Intensivstation 34 fortgesetzt. 1995 wurde Dr. OTTO auf die Chefarztstelle der Anästhesiologie im Diakonissenkrankenhaus Dresden berufen.

Im Jahre 1992 übernahm Prof. Dr. med. habil. Karl Friedrich ROTHE die Leitung der Klinik. In den nachfolgenden Jahren organisierte sich die Klinik erfolgreich neu und wurde zu einer modernen Einrichtung um- und ausgebaut.
Prof. Dr. ROTHE erreichte es in kurzer Zeit, die Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie als eine leistungsfähige Klinik in Sachsen zu etablieren. Es erfolgten weitere bauliche Veränderungen und apparative Umrüstungen: Umbau HNO-OP, Gynäkologie-OP, Zystoskopie und Zentral-OP jeweils verbunden mit der Einrichtung eines Aufwachraums. Auf der Intensivstation wurde die Bettenkapazität auf 16 Beatmungsplätze erweitert. Wie bei allen Rekonstruktionen in den Jahren zuvor mußten dabei Wege und Möglichkeiten gefunden werden, einerseits die baulichen Maßnahmen schnell und sauber durchführen zu können, ohne andererseits den laufenden Klinikbetrieb zu stören oder zu gefährden.

Anerkannte neue Verfahren und Methoden in der Anästhesie oder pharmakologische Neuerungen wurden zügig in den praktischen Ablauf integriert - beispielhaft sei die Einführung der Anästhesiologika Sevofluran, Desfluran, Remifentanyl, Propofol oder Ropivacain genannt.

1993 wurde die Anästhesieambulanz eingerichtet. Dadurch entstand die Möglichkeit der individuellen Aufklärung von Patienten unter Wahrung einer vertraulichen Atmosphäre zwischen Arzt und Patient. Am Anfang waren die Räumlichkeiten in einer Baracke untergebracht. Der Ausbau der Funktionsdiagnostik in der Ambulanz mit EKG und Lungenfunktionsprüfung war 1995 abgeschlossen. Parallel dazu wurden Räumlichkeiten mit der Möglichkeit zur Durchführung der präoperativen Eigenblutspende geschaffen. Seit 2002 befinden sich die Räume der Anästhesieambulanz im neu errichteten Haus B.

1997 ging das neu gebaute Haus H in Betrieb. Im Erdgeschoß wurde eine neue Rettungsstelle mit CT, Schockraum und zwei Eingriffsräumen eingerichtet, in der Etage darüber entstand ein OP-Bereich mit drei OP-Sälen und einem Aufwachraum.


Im August 2002 hieß es im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt "Land unter".
Am 13.08.2002 war die Weißeritz, ein Nebenfluß der Elbe, über die Ufer getreten und hatte zu ihrem alten Flußbett in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses Anschluß gefunden. Die Folge war eine Überflutung des Krankenhausgeländes mit Ausfall der Strom- und medizinischen Gasversorgung. Das komplette Krankenhaus wurde innerhalb von zwölf Stunden evakuiert.

Am Folgetag war das Wasser der Weißeritz wieder verschwunden, nun war es die Elbe selbst, die durch ihren Pegelanstieg bis zur historischen "Rekordmarke" von 9,40 m den Stadtteil Friedrichstadt zu einer Insel machte und das Krankenhaus erneut überschwemmte. Insgesamt waren 80% der Krankenhäuser in der Stadt Dresden vom Hochwasser direkt oder indirekt betroffen. Mitarbeiter der KAINS waren mit Kollegen anderer Abteilungen und anderer Dresdner Kliniken an der größten Evakuierungsaktion von Krankenhäusern in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligt. Dazu gehörte auch die Einrichtung von zwei "Behelfskrankenhäusern" während der Flutkatastrophe.

Evakuierung Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt am 13.08.2002

Evakuierung Krankenhaus
Dresden-Friedrichstadt am 13.08.2002

Unterstützung der Evakuierung Dresdner Krankenhäuser im August 2002 durch die Bundeswehr

Unterstützung der Evakuierung Dresdner Krankenhäuser
im August 2002 durch die Bundeswehr

Nachdem das Wasser zurückgegangen war, begannen zügig die Aufräumarbeiten. Anfang September 2002 konnte in Friedrichstadt der OP-Betrieb in einem Schichtdienst wieder aufgenommen werden. Bereits zwei Monate später war die volle OP-Kapazität wieder erreicht.
Von den schweren Schäden, die das Augusthochwasser 2002 hinterließ, ist heute nichts mehr zu erkennen. 

Im Jahr 2003 wurde in unserem Krankenhaus das erste nichtuniversitäre "Anästhesiologische und Notfallmedizinische Simulator­zentrum Dresden-Friedrichstadt" eröffnet. Damit entstand die Möglichkeit, medizinisches Personal in praktischen Übungen auf das richtige Verhalten in allgemeinen und spezielle Notfällen an einem Übungsphantom (SimMan®) zu trainieren. Es wurden spezielle Kurse für anästhesiologische Notfälle und den notärztlichen Rettungsdienst entwickelt.


Bildnachweis
(7) H. Nolte und J. Wurster: Kontraindikationen und Komplikationen der Regionalanästhesie, Anästhesist 21 Heft 3 (1972)
(8) K. Borchert / H. Hache: Anästhesie und Intensivtherapie - Ein Leitfaden für Fachschwestern und Fachpfleger, Verlag Volk und Gesundheit, Berlin, 1986; S. 39