Aromapflegegruppe

am Klinikum Dresden-Neustadt

 

Vor 100 Jahren hatte wohl kaum jemand geglaubt, was heute dank einer rasanten medizinischen und technischen Entwicklung zur Heilung von schwersten Erkrankungen möglich geworden ist. Doch etwas scheint abhanden gekommen zu sein: Die uralte Einsicht, dass der Mensch eine Einheit von Körper, Geist und Seele bildet, die im Gleichgewicht gehalten werden sollte, um Krankheiten zu vermeiden.
Ätherische Öle wirken auf Grund ihrer Zusammensetzung auf verschiedenen Ebenen. Gewonnen werden die Öle u. a. durch Destillation und Extraktion oder der recht aufwändigen Enfleurage von Blättern, Blüten, Samen, Wurzeln oder Zweigen aromatischer Pflanzen. Durch ihren Duft locken sie Insekten zur Befruchtung an, gleichzeitig schützen sie die Pflanze vor Bakterien und Pilzen. Diese Schutzwirkungen können wir uns durch das Herausfiltern der Öle aus den Pflanzen zu nutze machen.
Als Heilmittel verwendet wirken die Öle u. a. antiseptisch, entzündungshemmend, krampflösend, antibakteriell, viruzid, antimykotisch, beruhigend oder auch anregend. Aromatherapie ist ein Teilbereich der Phytotherapie. Verwendet werden ausschließlich naturreine ätherische Öle und Basisöle. Es handelt sich um keine eigene Therapieform, sondern um eine Ergänzung der medizinischen, physikalischen oder auch psychologischen Behandlung. Der Sinn auch anderer komplementärer Pflegemethoden liegt darin, die Selbstheilungskräfte des Patienten anzuregen.

Langfristig planen wir im Krankenhaus folgende Möglichkeiten für das Arbeiten mit ätherischen Ölen:

  • die Beduftung mit einem Aromastream (elektrisches Gerät zur Raumbeduftung)
  • Körperpflege (Waschungen, Mundpflege, Bäder, Hautpflege)
  • Prophylaxen (Pneumonie, Dekubitus, Thrombose, lntertrigo, Soor/Parotitis)
  • Therapie (Pilzinfektionen, Schmerzen, Hämatome, lnfektionen, Hauterkrankungen)
  • Sterbebegleitung
  • Wundbehandlung
  • Aromamassagen

Voraussetzung für das Arbeiten mit ätherischen Ölen auf Station ist die regelmäßige Teilnahme mindestens einer Pflegekraft am Arbeitskreis Aromapflege. Dies ist notwendig, da es bei der fachgerechten Anwendung der Öle zahlreiche Aspekte zu beachten gibt.
Ätherische Öle bieten uns die Möglichkeit, auf ganzheitlicher Ebene nicht nur die Selbstheilung des jeweiligen Patienten anzuregen, sondern positiv auf die gesamte Umgebung Einfluss zu nehmen. Erfahrungen zeigen, dass Ärzte, Pflegekräfte oder auch Angehörige wegen der angenehmen Düfte gern länger im Krankenzimmer verweilen, was sich natürlich positiv auf den Heilungsprozess des Patienten auswirken kann.

aroma

Leider hat die Aromatherapie, gerade von Seiten vieler Schulmediziner, mit dem Vorurteil der esoterisch angehauchten "Placebomedizin" zu kämpfen. Es ist uns bewusst, dass es einen langen Atem brauchen wird, Skeptiker zu überzeugen.

Anhand der Aromachemie ist zu erkennen, mit welch komplexen Vielstoffgemischen wir es zu tun haben Ein einzelnes ätherisches Öl setzt sich teilweise aus bis zu 500 organischen Verbindungen zusammen. Die Wirkungsweise ist abhängig vom jeweiligen Anteil der Sesquiterpene, Monoterpene, Aldehyde, Phenole, Terpene, Ketone, Ester ect.

In Deutschland war es lange Zeit ein Privileg der Kirche, Heil-, Gewürz- und Duftpflanzen anzuwenden. Im 18. Jahrhundert begann das "Parfum-Zeitalter" in Frankreich und Italien. Da Baden damals als äußerst ungesund galt, benötigte man zwingend wohlriechende Düfte. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Erforschung der Inhaltsstoffe durch italienische Chemiker sowie die Herstellung erster synthetischer Duftstoffe.
Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Begriff Aromatherapie durch den französischen Chemiker und Parfumeur Rene-Maurice Gattefosse neu geprägt. Er entdeckte im "Selbstversuch" die Heilwirkung von Lavendelöl bei der Behandlung von schweren Verbrennungen. Inspiriert durch Gattefosses Veröffentlichungen entwickelte der französische Militärarzt Dr. Jean Valnet die Aromatherapie weiter und behandelte im 2. Weltkrieg Verwundete mit ätherischen Ölen. Auch nach Kriegsende setzte er die Behandlung von Patienten mit Aromatherapie fort. Durch seine Erfolge erlangte er weltweite Anerkennung.

Kontakt: Frau Manuela Blumtritt (E-Mail senden)