Ballon gegen Schulterbeschwerden

21. Januar 2019

Orthopäden am Städtischen Klinikum Dresden nutzen ein neues minimal-invasives Verfahren, um auch bei irreparablen Verletzungen in der Schulter die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren: ein selbstauflösender, mit Kochsalz gefüllter Ballon.

Die Qualität der Sehnen der inneren Schultermuskulatur lässt mit zunehmendem Alter nach. Die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen steigt, erläutert Andreas Lindemann, Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Schulterschmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit können die Folge sein. Für eine reibungslose Funktion in der Schulter sorgt die Muskel-Sehnen-Schicht der Rotatorenmanschette. Sie liegt zwischen zwei Knochen; dem Oberarmkopf und dem Schulterdach. Bei Überkopf- und bei Abspreizbewegungen des Armes wird die Muskulatur unter dem Schulterdach eingeklemmt. Eine Überanstrengung bzw. Überbelastung der Sehnen, beispielsweise durch ständige Überkopfarbeiten, kann eine Reizung oder Rückbildung hervorrufen. Im fortgeschrittenen Alter reagieren die Sehnen der Rotatorenmanschette zudem auf diese Belastung mit Kalkeinlagerungen oder können reißen. Viele dieser Schäden verlaufen für Patienten oft schmerz- und symptomfrei. Die Mehrzahl der  über 60-jährigen haben einen Teilriss der Rotatorenmanschette, die meisten spüren aber weder Schmerzen noch Beschwerden, erklärt der Orthopäde Lindemann. Und selbst bei Schmerzen ist nicht immer ein operativer Eingriff notwendig. Häufig kann zunächst eine kräftigende Physiotherapie helfen, den Oberarmkopf wieder besser im Gelenk zu zentrieren. Zeigt diese konservative Therapie keine Verbesserung, ist eine Reparatur der Sehne möglich. Mittels eines minimal-invasiven Eingriffs werden auch größere Schäden oder komplette Risse der Rotatorenmanschette genäht. Manchmal ist der Schaden jedoch sehr groß oder die Muskel-Sehnen-Schicht ist stark degeneriert. Dann wird eine Wiederherstellung mittels Naht schwierig.

Am Städtischen Klinikum Dresden nutzen Orthopäden daher seit gut zwei Jahren ein neues minimal-invasives Verfahren, um auch bei irreparablen Verletzungen die Beweglichkeit der Schulter zu verbessern. Dafür wird durch kleine Schnitte ein mit Kochsalz gefülltes Kissen zwischen Schulterdach und Schultergelenk eingebracht. Ein Ballon, der sogenannte subakromiale Platzhalter, verhindert als mechanische Barriere das Hochtreten des Oberarmknochens und zentriert das Gelenk wieder besser in der Gelenkpfanne, erläutert Oberarzt Andreas Lindemann das Verfahren. Das Material des Implantats wird innerhalb von etwa zwölf Monaten abgebaut und vom Körper resorbiert. Unsere Patienten erleben damit eine nachhaltige Verbesserung der Schulterfunktion, Schmerzen gehen zurück, unterstreicht der Mediziner. In Verbindung mit geeigneter Krankengymnastik unterstützt der Ballon die Funktion der Rotatorenmanschette durch die verbliebene Muskulatur. Der Eingriff dauert etwa 45 Minuten. Zwei bis drei Tage nach dem Eingriff können Patienten das Klinikum bereits wieder verlassen.