Mit über 1000 Volt gegen Krebs

Dresden, 30. Januar 2018

Seit Ende Januar 2018 ergänzt eine neue Therapie für den fortgeschrittenen Bauchspeicheldrüsenkrebs das Spektrum des zertifizierten Viszeralonkologischen Zentrums am Städtischen Klinikum Dresden.
Mit kurzen, mehr als 1 000 Volt starken Stromstößen werden bei der sogenannten Irreversiblen Elektroporation (IRE) Krebszellen beschädigt, sie sterben in Folge ab.
In Deutschland behandeln erst zehn Kliniken mit der Methode diesen Krebs.

Während eines operativen Eingriffs werden stopfnadelgroße Elektroden gleichmäßig um und im Tumor platziert. Deren Lage und den Fortgang der Behandlung kontrollieren die Experten bildgestützt mit Ultraschall. Über diese Elektroden werden in Bruchteilen von Sekunden pulsartig über 1 000 Volt abgegeben. Diese Stromstöße beschädigen die Hüllen der Tumorzellen, die in Folge absterben. Die Zellreste entsorgt der Körper selbstständig.

„Das Besondere an dieser Technik ist, dass sowohl Nerven als auch Blutgefäße im und in der Nähe des Tumors verschont bleiben. Das ist der entscheidende Unterschied zu allen anderen Techniken, bei denen Tumoren mit Wärme, Strahlen oder Kälte zerstört werden“, erläutert Dr. Wolfgang Albert, Oberarzt in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie.

Da die äußere Gefäßwand erhalten bleibt, kann sich die innere Auskleidung neu bilden und sensible Nachbarorgane bleiben durchblutet. Das bedeutet für Patienten geringere Nebenwirkungen. „Geeignet ist diese Methode vor allem für Patienten mit einem fortgeschrittenen, lokal begrenzten Bauchspeicheldrüsenkrebs, der operativ nicht entfernt werden kann. Des Weiteren sollten bei den Patienten bereits Chemo- und Strahlentherapie durchgeführt worden sein“, ergänzt Prof. Dr. Helmut Witzigmann, Chefarzt der Klinik.

Aufgrund der umfassenden Vorbereitung mit Eröffnung des Bauchraumes, Freilegen des Tumors und der exakten Platzierung der bis zu sechs Nadeln dauert der Eingriff mehrere Stunden, die eigentliche IRE dabei nur wenige Minuten. Die Behandlung findet unter Vollnarkose statt.

Die Irreversible Elektroporation schließt eine entscheidende Lücke in der Therapie des Pankreaskarzinoms: Tumoren, die durch eine Operation nicht entfernt werden konnten, weil sie mit großen Arterien des Bauchraums Kontakt aufgenommen hatten, können nun bis zu einer gewissen Größe mit dieser Therapie behandelt werden. Die Methode selbst ist seit 2006 zugelassen, wird in Deutschland bislang jedoch hauptsächlich an der , der Niere und der Leber angewendet.

Da die IRE ein neues Verfahren darstellt, gibt es noch keine Langzeitstudien.

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