Neu in Dresden: Magenverkleinerung ohne OP – der „Endoskopische Schlauchmagen“

15. Oktober 2018

Mithilfe eines neuartigen minimalinvasiven Verfahrens kann der Magen während einer Magenspiegelung verkleinert werden. Das Städtische Klinikum Dresden gehört zu den wenigen spezialisierten Kliniken in Deutschland, die diese Behandlung anbieten. Die neue schonende Methode bietet die Chance zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion für krankhaft übergewichtige Patienten, die keine Operation wünschen oder für die chirurgische Eingriffe ein erhöhtes gesundheitliches Risiko darstellen.

Über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland ist übergewichtig, fast ein Viertel leidet sogar an , d.h. an starkem bzw. krankhaftem Übergewicht (Robert Koch Institut 2014), und es werden immer mehr. Damit steigt auch das Risiko von Folge- bzw. Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Krebs, Schlaganfall oder Gelenkverschleiß. Oft gelingt es Übergewichtigen nicht selbständig, dauerhaft abzunehmen, auch dann nicht, wenn sie die ernsten folgen ihrer Fettleibigkeit erkannt haben. Dann bedarf es einer medizinisch begleiteten Therapie, zunächst konservativ, d.h. durch konsequente strukturierte ärztlich begleitete Ernährungsumstellung, Bewegung bzw. Sport und Verhaltenstherapie. Führt das nicht zum Erfolg oder ist das Übergewicht zu hoch, ist oftmals eine Operation die letzte Chance, den Betroffenen dauerhaft zu helfen. Im Adipositaszentrum am Standort Neustadt/Trachau des Städtischen Klinikums Dresden werden jährlich etwa 200 chirurgische Eingriffe zur Gewichtsreduktion vorgenommen, davon – neben dem Magenbypass – häufig die sogenannte Schlauchmagen-OP. Dabei wird ein Großteil des Magens chirurgisch entfernt, so dass nur noch ein schlauchförmiger Restmagen übrig bleibt. Ziel ist, dass sich schneller ein Sättigungsgefühl einstellt, was zu einer verminderten Nahrungsaufnahme und dadurch zur Gewichtsabnahme führt.

Eine Magenverkleinerung kann hier seit neuestem auch ohne Bauchschnitt durchgeführt werden. „Wir verkleinern das Volumen des Magens während einer Magenspiegelung“, erklärt Dr. med. Maik Bartikowsky, Leiter der Abteilung für und am Standort Neustadt/Trachau, die als ‚Endoskopischer Schlauchmagen‘ bezeichnete Methode. „Ein Teil des Magens wird von innen mit Hilfe eines speziell präparierten Endoskops, also einem flexiblen Schlauchinstrument, welches sonst auch für normale Magenspiegelungen eingesetzt wird, abgenäht, so dass das Magenvolumen bis zu 80 % reduziert werden kann.“, ergänzt er. Im Gegensatz zur operativen Magenverkleinerung werden hierbei keine Teile des Organs entfernt.

„Das Verfahren ist besonders schonend für die Patienten, da keine Schnitte erfolgen. Dadurch sinkt das Komplikationsrisiko. Zudem sind die Schmerzen danach deutlich geringer“, hebt Oberarzt Bartikowsky die Vorteile hervor. Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt und dauert in der Regel nicht länger als eine bis zwei Stunden. Bereits nach wenigen Tagen und intensiver ernährungsmedizinischer Betreuung können die Patienten die Klinik wieder verlassen.

Das Resultat kann sich sehen lassen. Durchschnittlich verlieren die Patienten mit diesem Verfahren ca. 15 bis 20 Prozent von Ihrem Gesamtgewicht.
Die endoskopische Schlauchmagen-Behandlung eignet sich besonders für Betroffene mit nicht allzu starkem Übergewicht oder auch für die Patienten, für die eine OP zu riskant wäre oder die keine bauchchirurgischen Eingriffe wünschen.

Die Nahttechnik mittels des speziell präparierten Endoskops, welches neben der üblichen Kamera über ein zusätzlich installiertes Nahtinstrument verfügt, kommt nicht nur beim endoskopischen Schlauchmagen zum Einsatz. Patienten, die nach einer Magenbypass-Operation aufgrund einer Weitung des Bypasses am sogenannten Dumping-Syndrom, der Sturzentleerung von Nahrung, leiden, kann durch die neuartige endoskopische Nahtmethode zu einer besseren Lebensqualität verholfen werden.

Das Verfahren ist noch recht neu, weshalb es bisher nur in wenigen, hochspezialisierten Zentren in Deutschland angeboten wird. Das Städtische Klinikum Dresden ist nun eines davon.

 

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