Psychosomatik und Psychotherapie (Weißer Hirsch)

Psychologische Beratungshotline

Montag bis Freitag (06:30- 14:30 Uhr): 0351 - 856 - 6351

 

Die psychomomatische Institutsambulanz bietet telefonische Unterstützung in Zeiten der Corona-Pandemie durch Psychologen, Psychotherapeuten sowie Sozialarbeiter an. Angerufen werden kann bei Sorgen zur aktuellen Situation, Ängsten, psychischen Vorbelastungen sowie sozialen Fragestellungen. Als Elternambulanz beraten wir zudem Familien und Alleinerziehende in dieser angespannten und belastenden Situation. Unterstützende Gespräche, Weitervermittlung von Angeboten und ggf. therapeutischen Behandlungen stehen dabei im Vordergrund.

Angst und Vernunft

Jeder Mensch geht anders mit schwierigen Situationen um. Gerade in Zeiten einer Pandemie können Ängste das Leben bestimmen. 

Angst gehört zu den menschliche Grundgefühlen, wie zum Beispiel auch Wut, Trauer, Überraschung und Freude. Alle basalen Emotionen haben die evolutionäre Aufgabe, Leben zu schützen. So sorgt eine gesunde Angst dafür, dass wir uns nicht leichtfertig in Gefahr bringen, dass wir Situationen und Menschen kritisch prüfen und vernünftig mit Gefahrenlagen umgehen können. Wenn Angst zur vorausschauenden Sorge führt, so ist sie ein wichtiger Schutzfaktor, der uns und unsere Mitmenschen in der Corona-Krise helfen kann, die Ansteckungen deutlich zu begrenzen.

Angst ist aber auch eine primärprozesshafte Energie, die nicht leicht zu kontrollieren ist. Sie kommt aus den archaischen Arealen unseres Stammhirns, wo sie auf einem ganz primitiven Niveau die Kampf- oder Fluchtreflexe aktiviert; und manchmal – bei übergroßer Angst – Erstarrung und Hilflosigkeit. Wenn diese erregte und zum sofortigen Handeln drängende Angst dominiert, dann wird sie zur Panik und kopflosem Aktionismus. Dann ist die Angst kein guter Ratgeber mehr. Und wenn die Hilflosigkeit dominiert, dann drohen Wegschauen, Bagatellisieren und Missachtung notwendiger Vorsichtsmaßnahmen; dann kann es gefährlich werden – auch für andere.

Die Angst kann sich selbstständig machen und ausweiten, wenn sie nicht bewusst begrenzt wird. So können zum Beispiel Nachrichten oder Informationen aus den sozialen Medien die Angst immer mehr verstärken. Das kann aufregend und spannend sein, aber auch sozial destruktiv wenn im Krisenmodus jeder nur selbst der nächste ist. Es können sich auch Angstkrankheiten entwickeln, die psychisch schwer belastend sind und chronisch werden können. Dem kann man am besten begegnen, indem der Medienkonsum begrenzt wird und nur vertrauenswürdige Quellen genutzt werden.

Angst und Vernunft sind ein gutes Gespann. Die Angst aktiviert zur Voraussicht und vorsorgendem Kümmern und Handeln. Die Vernunft liefert dafür den Rahmen und die Werkzeuge. Dies gilt nicht nur für medizinische oder politische Planungen, sondern auch für den persönlichen Umgang mit der eigenen Angst. Wenn wir die Signalwirkung der Angst wahrnehmen, dann hilft die Vernunft, die Angst zu differenzieren und ihr auf eine gute Weise zu begegnen, beispielsweise in dem man einerseits für Sicherheit und Klarheit sorgt und andererseits für Stabilität und Gelassenheit, die gerade in schwierigen Zeiten besonders wichtig sind.

Dr. med. Ulrike Anderssen-Reuster

Quarantäne, Ausgangsbeschränkungen und Isolation können auch in den eigenen vier Wänden belastend sein. Das ist normal! Auftreten können, z.B. Sorgen (um Gesundheit, Arbeit, finanzielle Situation, die Familie,…), Grübeln, Ängste, Nervosität, Langeweile, Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit, Schlafstörungen, Gereiztheit, Ärger, verminderte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Schuldgefühle (3)

Hier einige Tipps, um diese Zeit gut zu überstehen…

  1. Tagesstruktur schaffen und im Rhythmus bleiben: Machen Sie sich einen Plan, was und wann sie Aufgaben heute erledigen wollen. Auch kleine Dinge sind wichtig, z.B. Kaffee trinken oder Müll rausbringen. Behalten Sie übliche Routinen, z.B. das Morgenritual ein. Planen Sie Hausarbeiten ein. Nun ist Zeit für aufgeschobene Projekte (2, 4).
  2. Handeln hilft! Bleiben Sie aktiv, entweder beim Spaziergang (allein oder mit Partner/Kindern) oder in der Wohnung, Fitnessvideos, z.B. bei Youtube helfen (2).
  3. Informieren JA, Non-Stop und den ganzen Tag NEIN. (1, 2) Löschen Sie die teils massenhaft kursierenden Nachrichten per WhatsApp, Facebook, Instagram, Twitter etc…

Informieren Sie sich, ca. zweimal täglich. Hier einige Tipps:

Der NDR Podcast https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html

Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/

Liveticker der tagesschau https://www.tagesschau.de/newsticker/coronavirus-liveblog-105.html

Stadt Dresden https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2020/03/pm_105.php

  1. Sorgen sind normal! Wenn sie sich immer wieder beim Grübeln erwischen, planen sie sich feste Zeiten dafür ein, z.B. morgens und abends jeweils 15 min. Den Rest des Tages schieben Sie die Sorgen weg, lenken sie sich ab etc. So bleiben Sie gelassener. (2, 4)
  2. In Kontakt bleiben, dabei helfen u.a. Telefonate, Schreiben, aber auch Videochats, z.B. per WhatsApp oder Skype. Sie können sich unterhalten, gemeinsam Sport machen oder sogar musizieren. (1, 2)
  3. Positiv bleiben: Auch diese Zeit ist irgendwann wieder vorüber! Planen Sie sich für dann etwas Schönes ein, worauf Sie sich freuen können (2).

Und bis dahin: Jeden Tag ein kleines Highlight finden worauf Sie sich freuen, z.B. eine Süßigkeit, ein Spaziergang, eine Serie, ein verwöhnendes Bad,…

 

Quellen:

1. Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). (2020). Coronavirus: psychologische Tipps zum Umgang mit der Krise

https://www.bdp-verband.de/aktuelles/2020/03/coronavirus-psychologische-tipps-zum-umgang-mit-der krise.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign= Sondernewsletter+zum+Coronavirus&newsletter=Sondernewsletter+zum+Coronavirus

2. Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP). (2020). COVID-19: Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen

3. Brooks et al. (2020). The psychological impact of quarantine and how to reduce it: rapid review of the evidence, Lancet; 395: 912–20

4. Jacobi, F. (2020). Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen. https://www.psychologische-hochschule.de/2020/03/jacobi_umgang-mit-quarantaene/

„Love is in the air“

Viele Paare wünschen sich im Alltag mehr Zeit miteinander. Muss man dann zuhause bleiben, kann es aber auch zu Konflikten kommen. Was kann helfen?

  1. Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken, z.B. schöne Erinnerungen miteinander, Fotos, Was ist Ihnen als Paar bisher immer gut gelungen? In dieser ohnehin besonderen Zeit müssen Sie nicht noch große Konflikte lösen.
  2. Gemeinsame Aktivitäten, z.B. einen Film schauen, die guten, alten Brett- und Kartenspiele mal wieder heraus kramen, Hausarbeit gemeinsam erledigen (1, 2, 3)
  3. Jeder braucht auch Zeit für sich: Teilen Sie sich in der Wohnung auf, nehmen sie sich besondere Zeiten, z.B. um zu lesen oder ein Bad zu nehmen, Musik zu hören etc. (2)
  4. Seien Sie nachsichtig: Jeder geht mit besonderen Situationen, Angst, Langeweile,… anders um, unterstützen Sie sich dabei und respektieren sie, dass Ihr Partner vielleicht anders reagiert als Sie. (2)
  5. Vielleicht gibt es ja am Partner noch Neues zu entdecken ;-)

„Das geht mir aber auf die Nerven…“

Fehlender räumlicher Platz und Möglichkeiten rauszugehen oder anderen Menschen außer der eigenen Familie zu sehen, Isolation können zu Konflikten führen:

  1. Streits vorbeugen: Sprechen Sie eigenen Ärger oder Ängste möglichst früh an, aber auch Ideen und Wünsche. Beugen Sie Ängsten, Langeweile, Kontrollverlust,… vor. (2, 4)

„Und wenn es doch zu Streit oder sogar Gewalt kommt?“

  1. Streit ist normal. Erstellen Sie einen Plan: Wer kann sich wohin zurückziehen um „runter zu kommen“? Wen können Sie anrufen, um mal „Dampf abzulassen“? Tief und bewusst ein- und ausatmen, bis 100 zählen,… (1,2)

Gewalt kann unterschiedlich aussehen: schlagen, schreien, beleidigen, den anderen lange ignorieren und anschweigen

  1. Seien sie bei sich selbst und dem anderen wachsam. Leben Sie aggressive Gedanken und Gefühle nicht aus, sondern gehen Sie aus der Situation. (2)
  2. Wenn es zu Gewalt kommt, sprechen Sie es an und schützen Sie sich. (2)
  3. Holen Sie sich FRÜHZEITIG Hilfe. (2,4)

Hier einige Tips: Krisentelefon Dresden, täglich von 17 bis 23 Uhr zum Ortstarif unter 0351-8041616 erreichbar!

Polizeinotruf bei akuter Gewalt: 110

 

Quellen:

1. Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). (2020). Coronavirus: psychologische Tipps zum Umgang mit der Krise

https://www.bdp-verband.de/aktuelles/2020/03/coronavirus-psychologische-tipps-zum-umgang-mit-der krise.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign= Sondernewsletter+zum+Coronavirus&newsletter=Sondernewsletter+zum+Coronavirus

2. Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP). (2020). COVID-19: Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen

3. Brooks et al. (2020). The psychological impact of quarantine and how to reduce it: rapid review of the evidence, Lancet; 395: 912–20

4. Jacobi, F. (2020). Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen. https://www.psychologische-hochschule.de/2020/03/jacobi_umgang-mit-quarantaene/

Es ist wichtig informiert zu sein und zu bleiben. So erfahren Sie neues über den Virus und bestehende Regelungen (2, 3).

Informationen helfen gegen Ängste und Kontrollverlust und machen das Geschehen greifbarer!

ABER: Medien können auch Ängste schüren und falsche Informationen verbreiten (1).

Deshalb hier einige Tipps:

  1. Nutzen Sie Medien bewusst.
  2. Informieren Sie sich ca. zweimal täglich.
  3. Überprüfen Sie, welche Medien Sie nutzen. Hier einige Ideen:

Der NDR Podcast https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html

Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/

Liveticker der tagesschau https://www.tagesschau.de/newsticker/coronavirus-liveblog-105.html

Stadt Dresden https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2020/03/pm_105.php

„Behalten Sie im Hinterkopf…“

Soziale Medien, z.B. Facebook, Instagram, Twitter, WhatsApp verbreiten aktuell sehr viele Nachrichten, Bilder, Neuigkeiten…. Die oft nicht überprüft werden und nicht alle richtig sind. Löschen Sie diese Nachrichten lieber (2).

(Soziale) Medien berichten oft über Sensationelles, also Risiken, schwere Verläufe,…, das bildet aber nicht immer das „Normale“ ab.

 

Quellen:

1. Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). (2020). Coronavirus: psychologische Tipps zum Umgang mit der Krise

https://www.bdp-verband.de/aktuelles/2020/03/coronavirus-psychologische-tipps-zum-umgang-mit-der krise.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign= Sondernewsletter+zum+Coronavirus&newsletter=Sondernewsletter+zum+Coronavirus

2. Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP). (2020). COVID-19: Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen

3. Brooks et al. (2020). The psychological impact of quarantine and how to reduce it: rapid review of the evidence, Lancet; 395: 912–20

4. Jacobi, F. (2020). Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen. https://www.psychologische-hochschule.de/2020/03/jacobi_umgang-mit-quarantaene/