Artikel in der Sächsichen Zeitung vom 13.03.2026

Brustkrebschirurg schenkt Frauen Hoffnung

Sönke Eger rekonstruiert Brüste. Was ihn bei seiner Arbeit erfüllt
und wie er mit schweren Schicksalsschlägen fertig wird.

 

Von Olivia Daume

Dresden. Seine jüngste Patientin war 19 Jahre alt, als sie die Diagnose Brustkrebs erhielt. Eine junge Frau, die eigentlich „mit dem Rucksack durch Thailand trekken" sollte und stattdessen vor der Entscheidung stand, sich beide Brustdrüsen entfernen zu lassen, um zu überleben.


Für Sönke Eger ist so eine Geschichte kein Einzelfall, sondern vielmehr Alltag als Chefarzt der Klinik für Plastische, Brust und Ästhetische Chirurgie am Städtischen Klinikum Dresden. Der Weg des heute 55-Jährigen in die plastische Chirurgie beginnt weit weg vom OP-Saal. Nach dem Abitur zieht es ihn zunächst in die Provence, wo er ein halbes Jahr Malerei studiert. Er mag das Handwerk, das konzentrierte Arbeiten und merkt doch, dass er zwar ein guter technischer Maler wäre, aber „zu normal', um ein großer Künstler wie Dali. zu werden. Den Gedanken, als frustrierter Kunstlehrer zu enden, kann er sich nicht vorstellen. 

Über seinen Vater, einen Gynäkologen, kommt er zu einem Praktikum bei einem plastischen Chirurgen in Hamburg, der missgebildete Kinder operiert und laute klassische Musik im OP hört. Dort versteht Eger: In diesem Fach kann er Kunst und Medizin verbinden — mit seinen Händen gestalten und gleichzeitig heilen. 

Seit 2015 ist er Chefarzt der Klinik für Plastische, Brust und Ästhetische Chirurgie am Städtischen Klinikum Dresden. Dort behandelt er komplexe Wunden, Defekte am Brustbein, Brust und Hautkrebs — geprägt auch durch die Arbeit seiner Frau, einer
Dermatologin mit Schwerpunkt Dermatoonkologie. „Wir haben alle Möglichkeiten, der Frau ein lebenswertes Leben zu schenken— bei bestmöglicher Ästhetik und maximaler onkologischer Sicherheit. Wenn ich mir den halben Tag im OP Mühe gegeben habe, weiß ich, dass da eine ehrliche Dankbarkeit zurückkommt, und das ist ein ganz tolles Gefühl", sagt Eger. „Es gibt nichts Befriedigenderes, als abends nach Hause zu kommen und zu wissen, dass man alles getan hat, damit eine Frau wieder gesund wird, und niemand am Strand sagt: Was hattest du denn?"

Der 55-Jährige operiert vor allem Frauen mit Brustkrebs im Alter zwischen 40 und 70 Jahren. Trotzdem stellen sich ihm immer wieder auch junge Gen-Trägerinnen zwischen 25 und 35 Jahren vor, die sich prophylaktisch beide Brustdrüsen entfernen
lassen, um den Ausbruch der Erkrankung möglichst zu verhindern.

Eger weiß, dass man den richtigen Zeitpunkt für eine prophylaktische Operation oft fünf Jahre vor dem Erkrankungsalter der jüngsten betroffenen Verwandten ansetzt. Er bespricht mit seinen Patientinnen, ob zunächst Implantate sinnvoll sind, um zusätzliche Narben zu vermeiden, und sagt klar, dass nach Entfernung der Brustdrüse das Gefühl in Brustwarze und Teilen der Brusthaut verloren geht.

Erhofft, dass es etwas leichterfällt, diesen Verlust zu verarbeiten, wenn zumindest der Blick in den Spiegel eine harmonische Form zeigt. Die Ängste, mit denen die Frauen in seine Sprechstunde kommen, fasst er schlicht zusammen: Lebensangst.
„Die Frauen haben Angst vor dem Tod, Angst, die Kinder nicht auf wachsen zu sehen, den Partner zu verlieren, den Beruf nicht mehr ausüben zu können, nicht mehr attraktiv zu sein", so Eger.

Trotz aller Technik ist seine Arbeit zutiefst persönlich. Das zeigt sich besonders in dem Moment, in dem die Patientin nach der OP zum ersten Mal ihre neuen Brüste sieht. Sönke Eger ist immer dabei, macht im Zweifel mit dem Handy der Patientin ein Foto, wenn der Blick vom Bett aus schwerfällt, oder geht mit ihr gemeinsam vor
den Spiegel. Brustkrebs sei heute gut behandelbar, sagt Eger. Man müsse sich nicht „gleich einen schwarzen Kasten anschaffen'. Er erklärt, dass bei kleinen Tumoren ohne Lymphknotenbefall die Überlebenschancen bei 98 Prozent liegen können  und vergrößerte Befunde mit der richtigen Kombination aus Operation, Hormontherapie, Chemotherapieund Bestrahlung ebenfalls sehr gute Prognosen erreichen. Wenn es Eger doch mal alles zu viel wird, macht er
Sport oder schnappt sich seinen 13-jährigen Sohn und geht mit dem Rucksack in die Wildnis zum Wandern und Fischen. Manchmal kommt seine Frau mit — zuletzt waren sie zu dritt in Thailand unterwegs.

Für ihn gehört es zur ärztlichen Haltung, eine positive Lebenseinstellung zu haben und zu sagen: „ Ich lasse mich von diesem Scheiß nicht unterkriegen." Er ist überzeugt, dass auch das Immunsystem davon profitiert dass es „ mehr zwischen Himmel und Erde und unserem Körper" gibt als das, was in Medizinbüchern geschrieben steht. „ Alles im Leben ist für etwas gut", habe seine Großmutter schon immer gesagt. Nicht im Sinne einer Verharmlosung, sondernals Erfahrung, dass in Krisen auch Wachstum liegen kann. „Viele Patientinnen reifen in dieser Zeit, ordnen ihre Prioritäten neu und erkennen, wie wertvoll das Leben ist."

 

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