Psychiatrie-Experten sprechen sich für Fachzentrum in Dresden-Weißer Hirsch aus

Die Pläne des Städtischen Klinikums Dresden, am Weißen Hirsch das gesamte Zentrum für psychische Gesundheit anzusiedeln, wurden heute von der Psychosozialen Arbeitsgruppe (PSAG) mit großer Mehrheit bestätigt. Die ruhige, grüne Lage am Rande der Dresdner Heide sei laut Einschätzung der Expertinnen und Experten prädestiniert für das Fachzentrum mit 220 Betten. Der Bedarf an gemeindenaher psychiatrischer Versorgung werde in den kommenden Jahren weiter anwachsen, dafür bietet der Campus Weißer Hirsch ausreichend Potenzial. Die PSAG spricht sich deshalb dafür aus, die Pläne möglichst rasch umzusetzen.

„Ich freue mich über die Zustimmung der PSAG. Damit kommen wir einen Schritt weiter in Richtung Zukunft“, erklärt die für das Städtische Klinikum zuständige Bürgermeisterin Dr. Kristin Klaudia Kaufmann.

„Wir haben dieses Konzept gemeinsam mit den Chefärzten des Zentrums für psychische Gesundheit unseres Klinikum und der städtischen Psychiatriekoordinatorin Dr. Darmstadt erarbeitet. „Wir haben auch unsere Patientinnen und Patienten befragt, um ihren Belangen bestmöglich gerecht zu werden“, hebt Chefarzt Prof. Dr. Burkhard Jabs: „Die überwältigende Mehrheit schätzt den Umgebungsfaktor als wesentlich für ihre Heilung ein und bevorzugt die waldnahe Lage“. Konkret sehen die Pläne vor, auf dem Campus Weißer Hirsch die dort bereits vorhandene Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit einem großen Teil der Friedrichstädter Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie zu einem interdisziplinären Zentrum für die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen zusammenzuführen. Der geplante Neubau bietet beste zeitgemäße Bedingungen für Patientinnen und Patienten sowie die Beschäftigten des Klinikums. Eine Tagesklinik und die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) für chronisch psychisch kranke Menschen komplettieren das Fachzentrum. Der Campus Weißer Hirsch bietet aufgrund seiner ruhigen und naturnahen Lage optimale Bedingungen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten jeden Alters. Für Patientinnen und Patienten, die neben der psychiatrischen Versorgung auch somatisch behandelt werden müssen, wird es auf dem Campus Friedrichstadt eine Außenstelle mit 20 geschützten, Akut- Betten und 20 offen geführten Betten geben. Diese sind auch für die wohnortnahe Versorgung von Patienten aus dem Sektor Friedrichstadt vorgesehen, die dort nach wie vor eine Ambulanz und Tagesklinik nutzen können.

Die psychiatrische Klinik auf dem Weißen Hirsch gilt in der Branche bereits heute als „Leuchtturm“ mit großer Bedeutung für die Region, denn sie bietet vielfältige, fachlich ausdifferenzierte Leistungen. Neben Akutstation und Allgemeinpsychiatrie gibt es je eine Station für Suchtbehandlung, Psychotherapie, chronische Depression und Gerontopsychiatrie. Die Klinik erhält aufgrund ihrer ausgezeichneten Expertise auch zahlreiche überregionale Zuweisungen. Das neue Fachzentrum, das schon bisher eng mit der psychosomatischen Klinik verzahnt ist, wird die bereits bestehenden Kooperationen zu umliegenden Psychiatrieeinrichtungen vertiefen.

Ergänzt werden könnte das Zentrum für psychische Gesundheit um eine sozialtherapeutische Wohnstätte für bis zu 36 Menschen mit schweren psychischen Einschränkungen. Eine solche Einrichtung wird in Dresden dringend benötigt. Die Einrichtung soll durch einen Kooperationspartner betrieben werden. Ebenso wird ein Seniorenheim für psychisch vorerkrankte ältere Menschen diskutiert, für das es ebenfalls einen großen Bedarf gibt.

Insgesamt werden für das neue Fachzentrum bis 2035 Investitionskosten in Höhe von 95,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Kosten sollen durch Fördermittel aus der Richtlinie PsySu des Freistaats Sachsen und durch Eigenmittel gedeckt werden. Alternativstandorte für das Fachzentrum hatte das Städtische Klinikum im Vorfeld untersucht und bewertet. Für eine Ansiedlung des gesamten Zentrums in Friedrichstadt stünden nicht ausreichend Flächen zur Verfügung. Am Standort Neustadt/Trachau wären umfangreiche und kostenintensive Umbaumaßnahmen erforderlich und selbst danach wären die Bedingungen dort nicht optimal, zumal die Lage nur 100 m entfernt von einem gut sichtbaren, erhöhten Bahndamm mit deutlich hörbarem, hochfrequentem Zugverkehr gegen die stationäre Behandlung von suizidalen Hochrisikopersonen spricht.

Das Zentrum für psychische Gesundheit ist ein wichtiger Baustein des Zukunftskonzepts für das Städtische Klinikum Dresden. Das Konzept beschreibt die medizinisch-bauliche Strategie bis 2035 und sieht vor, alle Standorte zu erhalten und diese entsprechend ihrer Stärken und Chancen weiterzuentwickeln. Im Stadtteil Friedrichstadt werden demnach alle stationären medizinischen Leistungen gebündelt – es entsteht ein Campus der Vollversorgung. Der Campus Neustadt/Trachau wird sich auf Notfallmedizin und ambulantes Operieren spezialisieren, daneben sind quartiernahe Angebote für Seniorinnen und Senioren durch Dritte vorgesehen – zum Beispiel soziales Wohnen und Altenpflege. Bei der Geriatrischen Rehabilitationsklinik im Stadtteil Löbtau ist die Schwerpunktsetzung schon heute Realität, hier ändert sich nichts. Der Gesundheitsausschuss hatte sich am 16. September 2020 in einer öffentlichen Expertenanhörung mit dem Zukunftskonzept befasst. Dabei bestand Konsens darin, Kliniken zu Zentren zusammenzufassen, um Doppelstrukturen aufzuheben und eine optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen.

Die PSAG ist eine im PsychKG gesetzlich geforderte Facharbeitsgruppe zur Beratung der Landeshauptstadt in Fragen der psychiatrischen Versorgung in Dresden. Sie erarbeitet Empfehlungen zur Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung und initiiert Öffentlichkeitsarbeit. Das seit 1993 bestehende Gremium tagt mehrmals im Jahr. Die PSAG vereint Vertreterinnen und Vertreter aller Bereiche der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung: Kliniken, Wohlfahrtsverbände, Sozialleistungsträger, Sozialbehörden sowie Angehörigen- und Betroffenenverbände.