Radiologie (Friedrichstadt)

SIRT - Selektive Interne Radio-Therapie

 Die Selektive Interne Radio-Therapie (SIRT) ist ein minimal-invasives Therapieverfahren zur Behandlung von Lebertumoren (z.B. Leberkrebs oder Lebermetastasen), die mit anderen Verfahren, z.B. Operation oder Chemotherapie nicht geheilt werden können.

Die SIRT kann nur innerhalb der Leber eingesetzt werden, weil die Leber von zwei Gefäßsystemen versorgt wird: die Leberarterien versorgen überwiegend die Tumoren in der Leber, die Pfortader versorgt überwiegend das gesunde Lebergewebe. Tumoranteile außerhalb der Leber können nicht behandelt werden, d.h. die SIRT wird nur bei „leberdominanter“ Erkrankung eingesetzt.

In örtlicher Betäubung wird ein dünner Katheter über die Leistenarterie (meistens rechts) eingeführt und bis in die Leber an die Tumoren vorgeschoben. Dort werden Millionen von kleinen Kügelchen (Durchmesser 30 µm, zum Vergleich: rote Blutkörperchen 8 µm) gespritzt, die alle kleine Strahlendosen mit sich tragen. Der Strahler heißt 90Yttrium, ein ß-Strahler mit hoher Energie (max 2.3 MeV), sehr kurzer Reichweite (max. 11 mm in Gewebe) und einer Halbwertszeit von 64 h = 2.7 Tagen. Diese Kügelchen bleiben in den kleinen Gefäßen in den Tumoren hängen und geben dort ihre Strahlung ab. Die Strahlung der Kügelchen wirkt etwa drei Wochen (wegen der niedrigen Reichweite nur innerhalb der Tumoren und der Leber) und kann lokale Strahlendosen von 1000 Gy überschreiten. Das führt zum vollständigen Absterben aller Zellen in der Umgebung dieser Kügelchen.

Die gesunden Anteile der Leber müssen eine noch ausreichende Funktion haben; das wird durch Laborwerte aus Blutentnahmen bestimmt. Mit einer Computertomographie muss geklärt werden, ob eine leberdominante Erkrankung vorliegt (keine Metastasen außerhalb der Leber, z.B. in der Lunge oder in Lymphknoten) und ob Varianten der Leberarterien vorliegen. Mit einer der Leber mit leberzellspezifischem Kontrastmittel (Primovist®) wird gemessen wie groß das Volumen der gesunden Leber und wie groß das Volumen der Lebertumoren ist. Zusätzlich wird mit einer Testsubstanz untersucht, ob zu viele dieser Kügelchen in andere Organe gehen könnte, z.B. in die Lunge oder in den Magen-Darm-Trakt.

Die katheterbasierten Eingriffe an der Leber sind Routineprozeduren, die in anderen Situationen mit gleichen Techniken häufig durchgeführt werden.

Spezifische Risiken sind unter anderem kurzfristige Oberbauchschmerzen, Fatigue (Müdigkeit, die durch Tumorzellzerfall bedingt ist), Verschleppung von strahlenden Mikrokügelchen in andere Organe (v.a. Lunge oder Magen-Darm-Trakt), Leberversagen durch die Bestrahlung und andere Beschwerden, die symptomatisch behandelt werden.

Die SIRT wird meist in der palliativen Situation angewendet, d.h. eine Heilung ist mit anderen Verfahren nicht möglich. Auch die SIRT führt nur in seltenen Fällen zu einer Heilung. Aber es ist nachgewiesen, dass die SIRT bei den allermeisten Patienten zu einem deutlichen Überlebensvorteil bei hoher Lebensqualität führt. Gelegentlich kann auch nach deutlicher Größenreduktion der Tumore doch eine Operation zur Heilung führen.

  • Leberkrebs (hepatozelluläre Karzinome - HCC)
  • Gallengangkrebs der Leber (cholangiozelluläres Karzinom - CCC)
  • Metastasen bei Dickdarmkrebs (kolorektale Karzinomen - CRC)
  • Metastasen bei anderen bösartigen Erkrankungen (z.B. Brustkrebs, malignen Melanomen und neuorendokrinen Tumoren) in Einzelfallentscheidungen, da sichergestellt werden muss, dass überwiegend die Leber befallen ist.

verantwortlich:

Prof. Dr. med. habil. Nasreddin Abolmaali

Leitender Oberarzt
Facharzt für Radiologie, Schwerpunktbezeichnung Kinderradiologie
Radiologische Klinik
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